Zertifizierungen im nachhaltigen Innenausbau

Zertifizierungen im nachhaltigen Innenausbau

Ich befinde mich nun im ersten Semester meines Studiums an der Universität Wuppertal. Nachhaltiges und Ressourcenschonendes Bauen, berufsbegleitend.
Denn rüsten möchte ich mich. Nicht nur für die gebaute Zukunft, sondern auch für meine Eigene.

In diesem dynamischen und sich ständig weiterentwickelnden Feld möchte ich an der Spitze stehen, ausgestattet mit Wissen und Fähigkeiten, die nicht nur aktuelle Trends und Technologien berücksichtigen, sondern auch zukünftige Herausforderungen antizipieren. In der Baubranche stehen wir am Scheideweg, bei dem neben der dringend notwendigen Digitalisierung, die Nachhaltigkeit zu den dominierenden Themen der Zukunft zählt. Es ist klar, dass wir, um den Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden, eine Synthese aus fortschrittlicher Technologie und umweltbewussten Bauweisen anstreben müssen. Im Rahmen des Curriculums nehmen wir u.A. gerade die unterschiedlichen Zertifizierungen für die nachhaltiges Bauen durch und dabei frage ich mich…

Welche Zertifizierungen sind eigentlich rein für den gewerblichen Innenausbau geeignet?

Zertifizierungen werden immer populärer und gewinnen auch im Innenausbau an Relevanz.
Vielleicht fragen Sie sich auch nach der Sinnhaftigkeit und welche Zertifizierungen im Speziellen für ihr Bauvorhaben geeignet sind?!
Die unterschiedlichen Beweggründe entscheiden für die Wahl des richtigen Systems. Aber auch die Eigentumsverhältnisse bzw. Vertragsverhältnisse sind entscheidend.

Berücksichtigen wir, dass beim Bau neuer Gewerbeimmobilien in der Regel die meisten CO2-Emissionen entstehen. Besonders betroffen sind Branchen und Gebäudearten, die große Mengen an energieintensiven Materialien benötigen und komplexe, energieaufwendige Systeme einsetzen. Bspw. Industrie- und Produktionsanlagen, Krankenhäuser aber auch Einkaufszentren und Hotels.

Für diese Gewerbetypen spielen die Rohstoffgewinnung und -produktion (denken Sie an Beton und Stahl) sowie die Bau- und Betriebsabläufe eine entscheidende Rolle, wenn es um den CO2-Ausstoß geht. Ein cleveres Design, das auf Energieeffizienz setzt, und die Wahl von Materialien, die weniger CO2 freisetzen, können enorm helfen, die Emissionen in diesen Bereichen zu senken.

Aber welche Möglichkeiten gibt es, um einen Innenausbau nachhaltig zu gestalten? Ich stelle Ihnen einige der führenden Zertifizierungen vor, die darauf abzielen, die Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien sowie der Bauprozesse zu bewerten.

LEED (Leadership in Energy and Environmental Design): LEED ist ein international anerkanntes Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen. Es bewertet den gesamten Gebäudelebenszyklus und umfasst auch den Innenausbau. Das LEED Interior Design + Construction (ID+C) Rating System beurteilt Kriterien wie die Auswahl umweltfreundlicher Materialien, die Verbesserung der Innenluftqualität und die Energieeffizienz.

BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method): BREEAM ist ein weiteres führendes Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen. Es bewertet die Umweltauswirkungen von Gebäuden und umfasst auch den Innenausbau. BREEAM Interior fit-out and refurbishment bewertet Aspekte wie die Materialauswahl, Energie- und Wassereffizienz, Innenluftqualität und Abfallmanagement.

WELL Building Standard: Der WELL Building Standard konzentriert sich auf die Förderung von gesunden und komfortablen Innenräumen. Er bezieht sich auf Aspekte wie die Qualität der Innenluft, Beleuchtung, Akustik, Wasserversorgung und ergonomisches Design. Dieser Standard kann für den Innenausbau angewendet werden, um ein gesundes und produktives Arbeits- oder Wohnumfeld zu schaffen.

DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen): Die DGNB ist eine deutsche Organisation, die sich für nachhaltiges Bauen einsetzt. Sie bietet eine Zertifizierung für Gebäude an, die verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit bewertet, einschließlich des Innenausbaus. Die Zertifizierungskriterien umfassen Energieeffizienz, Materialauswahl, Innenraumqualität und soziale Aspekte.

Cradle to Cradle (C2C) Zertifizierung: Das Cradle to Cradle-Zertifizierungssystem fördert den Einsatz von Materialien, die in biologischen oder technischen Kreisläufen zirkulieren können, ohne Abfall oder schädliche Emissionen zu verursachen. Die Zertifizierung bewertet Produkte hinsichtlich ihrer Materialzusammensetzung, Recyclingfähigkeit und sozialen Verantwortung.

Diese Zertifizierungen im nachhaltigen Innenausbau bieten Richtlinien und Bewertungskriterien, um sicherzustellen, dass der Innenausbau nachhaltig ist und Umweltstandards erfüllt.
Je nach Standort und Projektspezifikationen können bestimmte Zertifizierungen relevanter sein als andere.

Die Wahl des richtigen Systems hängt von den spezifischen Zielen, dem Standort, dem Budget und der Zielgruppe ab. Aber auch davon, ob der Initiator Eigentümer, Investor oder Mieter ist.
Für eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie könnte eine Kombination aus mehreren Zertifizierungen oder eine Zertifizierung mit zusätzlichen eigenen Initiativen die beste Lösung sein.

Als gewerblicher Mieter, der sich auf den Filialausbau konzentriert, würde ich einen Zertifizierungsstandard wählen, der Flexibilität, Branchenanerkennung und spezifische Vorteile für den Innenausbau bietet. Hier sind ein paar Überlegungen, die ich für jedes System anstellen würde:

  1. LEED für Commercial Interiors (CI):
    Vorteile: LEED CI ist speziell für Mieter von Büroflächen und Einzelhandelsgeschäften konzipiert. Es berücksichtigt die spezifischen Bedürfnisse von Mietern, die nicht das ganze Gebäude kontrollieren, und konzentriert sich auf nachhaltige Praktiken und Materialien im Innenausbau.
    Entscheidung: Wenn ich eine breit anerkannte Zertifizierung mit einem Fokus auf Energieeffizienz und umweltfreundlichen Praktiken wünsche, wäre LEED CI eine starke Wahl.
  2. WELL Building Standard:
    Vorteile: WELL konzentriert sich auf das Wohlbefinden der Menschen in den Räumlichkeiten. Für einen Filialausbau könnte dies zu einer attraktiveren, gesünderen und produktiveren Umgebung für Mitarbeiter und Kunden führen.
    Entscheidung: Wenn die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter und Kunden oberste Priorität haben und ich dies als Teil meiner Markenidentität kommunizieren möchte, wäre WELL ideal.
  3. BREEAM In-Use:
    Vorteile: BREEAM In-Use ist für bestehende Gebäude konzipiert und kann für einzelne Einheiten innerhalb eines Gebäudes angewendet werden. Es ist flexibel und ermöglicht es Mietern, die Leistung ihrer Räume zu verbessern.
    Entscheidung: Wenn ich in einem Gebäude mit anderen Mietern bin und eine flexible, auf Europa ausgerichtete Zertifizierung möchte, könnte BREEAM In-Use passen.
  4. DGNB:
    Vorteile: DGNB bietet einen ganzheitlichen Ansatz und ist besonders in Deutschland anerkannt. Es bewertet den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.
    Entscheidung: Wenn ich in Deutschland oder einem Land bin, in dem DGNB stark anerkannt ist, und einen umfassenden Nachhaltigkeitsansatz verfolge, könnte dies eine gute Option sein.
  5. Cradle to Cradle (C2C):
    Vorteile: C2C konzentriert sich auf die Kreislaufwirtschaft und könnte helfen, eine Botschaft von Umweltverantwortung und Innovation zu vermitteln.
    Entscheidung: Wenn mein Hauptanliegen die Materialgesundheit und Wiederverwertbarkeit ist und ich dies in meiner Filiale demonstrieren möchte, könnte C2C attraktiv sein.

Als gewerblicher Mieter würde ich auch Folgendes berücksichtigen:

Kosten und Zeit: Welches System bietet das beste Verhältnis von Kosten zu Nutzen und passt zu meinem Zeitplan für den Ausbau?
Kunden- und Mitarbeiterinteressen: Welche Zertifizierung spricht meine Zielgruppe am meisten an und verbessert das Erlebnis in meinen Filialen?
Markenidentität: Welches System passt am besten zu den Werten und dem Image meiner Marke?

Haben Sie schon eine Zertifizierung im nachhaltigen Innenausbau für Ihr Objekt in Erwägung gezogen?
Lassen Sie uns darüber sprechen!

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Portrait Maria Klipstein | © Christopher Schmid

 

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